Chronik

Erbaut wurde das markante Gebäude am Südplatz als sozialpolitisches Zentrum für die „Nationale Front“ – einem überparteilichen Zusammenschluss der SED mit den sogenannten Blockparteien der DDR – die sich dort zu politischen Versammlungen traf. Seit den 50er Jahren wurde es zudem ganz unterschiedlich genutzt: Es fanden Tanzstunden, Kulturveranstaltungen und Filmvorführungen statt. In den 80ern nutzten auch die Bezirkspolizeibehörde und die Stasi immer wieder die Räume.

Die Geburtsstunde der heutigen „naTo“ lässt sich 1982 mit dem ersten von Brigitte Schreier-Endler veranstalteten Konzert und der Einstellung von Götz Lehmanns als Hausmeister datieren. Am 7. Mai fand ein Konzert der Gruppe „Heureka“ im Kulturhaus der Nationalen Front statt. Fortan waren mindestens einmal im Monat größere Projekte wie Jazzkonzerte, Konzerte mit Neuer Musik, musikalisch-literarische Abende oder experimentelle Tanz- und Performance-Veranstaltungen geplant. Nicht selten waren damals in der DDR kaum denkbare Konzerte und Happenings als Privatveranstaltungen vor der Polizei getarnt. Junge Leute wollten selbstbestimmt Veranstaltungen nach ihren Vorstellungen durchführen – der Grundstein der naTo als Ort der Alternativkultur war gelegt. Bald wurde das unhandliche „Kulturhaus der Nationalen Front“ im Volksmund durch diverse Spitznamen wie „NaFro“ oder „naTo“ abgekürzt.

In den darauffolgenden Jahren war die naTo Ort verschiedener Kunstsparten, es fanden Puppentheater und Pantomimevorstellungen statt, die Kinder- und Jugendarbeit wurde ausgebaut sowie das Angebot erweitert und mit der Zeit etablierte sich die naTo vor allem als überregionales Zentrum für zeitgenössischen Jazz. Dass es die naTo heute in diesem Profil – gerade auch soziokulturellen Profil – gibt, ist zu großen Teilen Götz Lehmanns Verdienst. Er hat als Hausmeister Schnee geschippt, mal hier und mal dort was gemacht, die Behörden ein bisschen ausgetrickst und letztlich Dank seiner zahlreichen Kontakte und Ideen, das Haus als Kulturzentrum mit überregionaler Bedeutung etabliert. Nach seinem Weggang 1989 übernahm Paul Fröhlich bis 1991 die Leitung der naTo und führte sie durch die turbulenten Zeiten der Wende.

Nach dem Mauerfall ergab sich endlich die Möglichkeit zur Vereinsgründung. So entstand am 15.05.1990 der „Kultur und Kommunikationszentrum naTo e.V.“, der die naTo seit 1991 als Freier Träger betreibt. Damals waren die Menschen wissbegierig, weltoffen und hungrig auf den Kontakt mit ausländischen Künstlern, der ihnen zuvor verwehrt geblieben war. In den Folgen der Umbruchphase ab ‘89 begann der Verein so nun auch vermehrt interkulturelle Veranstaltungen zur Aufführung zu bringen und die Leipziger Kulturszene besonders lebendig zu gestalten.

Anfang der 90er Jahre entstanden auch die legendären Open-Air Events: das Spaß-Fußball-Turnier naTo-cup, das Seifenkistenrennen auf dem Fockeberg sowie das Badewannenrennen am Völkerschlachtdenkmal, die Paul Fröhlich als Miterfinder und unglaublicher Moderator auf Stelzen bis zu seinem Tod 2009 entscheidend geprägt hat. Bis heute gibt es das Seifenkistenrennen – den Prix de Tacot .

1994 kommt die „AG Kommunales Kino Leipzig“ als kompetenter Partner für den Bereich Filmkunst ins Haus. Bis heute sind sie – inzwischen als Cinémathèque Leipzig e.V. – für das Filmprogramm in der naTo verantwortlich.

Heute ruht das Programm in der naTo auf fünf Säulen: der Musik, der Filmkunst, dem Theater, der Literatur und Veranstaltungen zu politischen Themen. Durch liebevolles Engagement vieler Beteiligter konnten sich diese fünf innerhalb der letzten Jahre für sich entwickeln und gelten als fester Bestandteil des Vereins.

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