Sächsische Erklärung der Vielen

Sachsen war ein zentraler Schauplatz auf dem Weg zur Friedlichen Revolution. Im Herbst 1989 gingen hier zahlreiche Bürger*innen aller Generationen und Bevölkerungsschichten auf die Straße, um mit ihrem friedlichen Protest Demokratie, Freiheit, Freizügigkeit und Mitspracherechte einzufordern. Ihr Motto lautete: „Wir sind das Volk!“ Die sächsischen Bürger*innen haben damals bewiesen, dass eine mit demokratischen Mitteln geführte Debatte und der Zusammenschluss demokratisch gesonnener Kräfte eine Veränderung der Gesellschaft herbeiführen können.

Heute wird das Motto der Friedlichen Revolution von Rechtspopulist*innen missbraucht, die die Werte Freiheit, Toleranz und Solidarität für ihre Zwecke instrumentalisieren. Der dabei vorhandene verächtliche Umgang mit der Menschenwürde, mit Andersdenkenden und mit engagierten Kulturschaffenden und Wissenschaftler*innen ist nicht zu akzeptieren.

Als Kulturschaffende und Wissenschaftler*innen in Sachsen stehen wir nicht über den Dingen, sondern in der Verantwortung gegenüber der deutschen Geschichte und unserer Erinnerungskultur. Wir treten ein für demokratische Werte und die Grundrechte der Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit, der Religionsfreiheit sowie des Rechts auf Asyl und wehren jegliche Angriffe auf diese unverzichtbaren Wertegrundlagen unserer Gesellschaft entschieden ab.

Wir begreifen die Kultur, die Wissenschaft und ihre Einrichtungen, ihre urbanen und ländlichen Orte als offene Räume, die Vielen gehören. Unsere Gesellschaft ist eine plurale Versammlung. Wir verstehen Vielfalt und Weltoffenheit als Voraussetzung wie als Ziel gelebter Demokratie in Sachsen und verurteilen völkisch-nationalistisches Gedankengut und dessen Verbreitung; Diskriminierung sowie Gewalt jedweder Art.

Als unabhängige Akteur*innen im demokratischen und gesellschaftsbildenden Diskurs setzen wir uns ein für Freiräume der Fantasie und des Denkens und wehren uns gegen jegliche Vereinnahmung. Wir führen einen offenen und kritischen Dialog über undemokratische Strategien und Ziele und gestalten diesen Dialog in unseren Einrichtungen im Austausch mit dem Publikum. Uns eint die Gewissheit, dass durch das Wiedererlangen der Dialogfähigkeit und des respektvollen Umgangs miteinander eine angstfreie und lebenswerte Gesellschaft möglich ist.

Für uns ist die Freiheit der Kunst und der Wissenschaft ein wesentlicher Bestandteil einer offenen, demokratischen und vielfältigen Gesellschaft, der wir uns auf dem Boden des Grundgesetzes und der Errungenschaften der Friedlichen Revolution verpflichtet fühlen. Unser Selbstverständnis ist es, für eine Gesellschaft einzutreten, in der sich alle Menschen unabhängig von sozialer oder kultureller Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, geistigen oder körperlichen Fähigkeiten, Alter oder sexueller Orientierung mit Respekt und Toleranz begegnen.

Wir verbinden uns solidarisch mit Menschen, die durch eine ausgrenzende Politik und Ideologie an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Demokratie muss täglich neu verhandelt werden – aber immer unter einer Voraussetzung: Es geht um Alle, um jede*n Einzelne*n!


Selbstverständnis

  • Alle Unterzeichnenden sind Kultur- und Bildungseinrichtungen, Kunstinstitutionen, kunstausbildende Institutionen, Theater, Museen, Universitäten, Hochschulen und ihre Interessensvertretungen oder Verbände.
  • Neben den erstunterzeichnenden Einrichtungen können ab dem Tag der Erstveröffentlichung in einer Region auch weitere Einrichtungen, Einzelpersonen und Künstler*innengruppen ihre Zustimmung als Unterstützende erklären.
  • Mit der Unterzeichnung erklären sich die Leitungspersonen oder das Leitungsteam bereit, den Text der Erklärung innerhalb der eigenen Organisation unter Mitarbeiter*innen, Ensemblemitgliedern, Kurator*innen, Publikum und Besucher*innen bekannt zu machen und zur Diskussion zu stellen.
  • Die unterzeichnenden Einrichtungen werden auf der Homepage www.dievielen.de sichtbar gemacht.
  • Die Unterzeichnenden werden im Sinne der Werte der Erklärung aktiv, u.a. mit Veranstaltungen und Gesprächen.
  • Im Rahmen der eigenen Öffentlichkeitsarbeit werden die Erklärung und die Kampagne veröffentlicht.
  • Die Kampagne zur Erklärung der Vielen hat einen regionalen Charakter und wird über regionale Zusammenschlüsse bundesweit verbreitet.
  • Die unterzeichnenden Einrichtungen informieren über die „Glänzende Demonstration der Kunst und Kultur – Solidarität statt Privilegien. Es geht um Alle. Die Kunst bleibt frei!“ am 19. Mai 2019.
  • Die Unterzeichnenden verpflichten sich zu gegenseitiger Solidarität mit Kultur- und Bildungseinrichtungen und Akteur*innen, die Hetze und Schmähungen ausgesetzt sind und politisch unter Druck gesetzt werden.

Bisherige Erstunterzeichner*innen

    Academy of Music, Barbara Rucha, Leiterin
    ASA-FF e.V., Franz Knoppe, Vorstand
    Atomino e.V. Chemnitz
    Bach-Archiv Leipzig, Prof. Dr. Peter Wollny, Direktor
    Bach-Archiv Leipzig, Franziska Grimm, Geschäftsführerin
    Bachfest der Stadt Leipzig, Dr. Michael Maul, Intendant
    Bon Courage e.V.
    Cammerspiele, Sophie Renz, Geschäftsführung
    Cammerspiele, Christian Hanisch, Künstlerische Leitung
    Cammerspiele, Michaela Grünold, Vorstand
    C³ Chemnitzer Veranstaltungszentren GmbH, Dr. Ralf Schulze, Geschäftsführer
    D21 – Kunstraum Leipzig, Constanze Müller, Vorstandvorsitzende
    Deutsches Literaturinstitut, Jörn Dege, Geschäftsführer
    Deutsch-Sorbisches Volkstheater, Lutz Hillmann, Intendant
    DOK Leipzig, Leena Pasanen, Intendantin und Geschäftsführerin
    Dresdner Philharmonie, Frauke Roth, Intendantin
    EB Heinrich-Schütz-Konservatorium der Landeshauptstadt Dresden, Kati Kasper, Leiterin
    Eisler-Haus Leipzig e.V., Etienne Walch, Vorstand
    euro-scene Leipzig, Ann-Elisabeth Wolff, Festivaldirektorin
    euro-scene Leipzig, Jana Wetzlich, Verwaltungsleiterin
    Erich-Zeigner-Haus, Raimund Grafe, Vorstandsvorsitzender
    Filmverband Sachsen e.V.
    Flügelschlag Werkbühne e.V., Anja-Christin Winkler, Künstlerische Leiterin
    Forum Zeitgenössischer Musik Leipzig, Thomas Chr. Heyde, geschäftsführender künstlerischer Leiter
    Freie Jugendkunstschule Waldenburg, Olaf Richter, Leiter
    FAK – Freunde aktueller Kunst e.V., Klaus Fischer, Vorsitzender
    Galerie für Zeitgenössische Kunst, Franciska Zólyom, Direktorin
    GEDOK Gruppe Mitteldeutschland e.V., Brunhild Fischer, Vorstandsvorsitzende
    Gerhart-Hauptmann-Theater-Görlitz-Zittau GmbH, Klaus Arauner, Generalintendant
    Gesellschaft für Gemeinsinn e.V., Dr. Florian Kiel, Vorstand
    Gewandhaus Leipzig, Prof. Andreas Schulz, Gewandhausdirektor
    Gewandhaus Leipzig, Dr. Gereon Röckrath, Verwaltungsdirektor
    Gottfried-Silbermann-Gesellschaft e.V., Albrecht Koch, Präsident
    GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig, Dr. Olaf Thormann, Direktor
    GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig,
    Léontine Meijer-van Mensch, Direktorin Staatliche Ethnographische Sammlungen Sachsen
    greater form / Giro e.V., Mirko Gust, Vorstand
    greater form / Giro e.V., Lina Ruske, künstlerische Projektleitung
    HALLLE 14 – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Michael Arzt, künstlerischer Direktor
    Helden wider Willen e.V., Adriane Jedlitschka, Vorstand
    Hentrich & Hentrich Verlag Berlin Leipzig, Dr. Nora Pester, Inhaberin
    Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Thomas Locher, Rektor
    Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Prof. Dr. Benjamin Meyer-Krahmer, Prorektor für Hochschulentwicklung und Forschung
    Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“, Prof. Martin Kürschner, Rektor
    HTWK Leipzig, Prof. Dr. Gesine Grande, Rektorin
    KINDERVEREINIGUNG e.V. / Kulturwerkstatt KAOS; Jochen Janus, Projektleiter
    Kleine Musikschule Lindenau, Natalie Occhipinti, Leiterin
    Klub Solitaer e.V., Mandy Knospe, Vorstand
    Knalltheater, Lars Sechert, Leiter
    Kreismusikschule „Heinrich Schütz“ Nordsachsen, Prof. Elvira Dreßen, Leiterin
    Kultopia GgmbH, Josefa Hose, Geschäftsführerin
    Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus, Küf Kaufmann, Direktor
    Kulturhaus Arthur e.V., René Szymanski, Vorstand
    Kulturinitiative Zwenkau e.V., Steffen Wieser, Vorstand/Vorsitz
    Kulturinitiative Zwenkau e.V., Dr. Gerhard Sender, Vorstand
    Kulturinitiative Zwenkau e.V., Susanne Schönherr, Vorstand
    Kulturkosmos Leipzig e.V., Angela Kobelt, Vorstand
    Kultur- und Kommunikationszentrum naTo e.V., Falk Elstermann, Geschäftsführer
    Kulturstiftung Leipzig, Prof. Rolf-Dieter Ahrens, Stiftungsratpräsident
    Kulturstiftung Leipzig, Olaf Doehler, Geschäftsführer
    Kunstsammlungen Chemnitz, Dr. Frédéric Bußmann, Generaldirektor
    Kunstverein Freunde aktueller Kunst, Klaus Fischer, künstlerische Leitung/Vorstand
    kunZstoffe – Urbane Ideenwerkstatt e.V., Daniela Nuß, Vorstand
    Landesbühnen Sachsen, Manuel Schöbel, Intendant
    Landesbühnen Sachsen, Artemis Willms, Kaufmännische Geschäftsführerin
    Landesbüro Darstellende Künste Sachsen e.V., Helge-Björn Meyer, Geschäftsführer
    Landesverband Bildende Kunst Sachsen e.V., Lydia Hempel, Geschäftsführerin
    Landesverband Soziokultur Sachsen e.V.
    Lauter-leise e.V., Anna Kaleri, Vorstand
    Leipziger Tanztheater, Gundolf Nandico, Geschäftsführer
    Leipziger Tanztheater, Lutz Werner, Vorstand
    Lindenfels Westflügel e.V.
    Lindenow e.V. – Verein zur Förderung des Netzwerks der freien Kunsträume im Leipziger Westen, Anna Schimkat, Vorstand
    Literaturhaus Leipzig, Dr. Thorsten Ahrend, Geschäftsführer
    Mittelsächsische Theater und Philharmonie GmbH, Ralf-Peter Schulze, Intendant
    Mittelsächsische Theater und Philharmonie GmbH, Annett Wöhlert, Schauspieldirektorin
    Musikfest Erzgebirge gUG, Ben Uhle, Geschäftsführer
    Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig im Grassi, Dr. Josef Focht, Direktor
    Musikschule „Johann Sebastian Bach“, Matthias Wiedemann, Leiter
    Musikschule „Johann Sebastian Bach“, Cathleen Max, Verwaltungsleiterin
    Neue Celluloid Fabrik Filmproduktion, Jürgen Kleinig, Geschäftsführer
    ongoing project GbR
    Oper Leipzig, Prof. Ulf Schirmer, Intendant und Generalmusikdirektor
    Oper Leipzig, Ulrich Jagels, Verwaltungsdirektor
    Ost-Passage Theater e.V.
    Palucca Hochschule für Tanz Dresden
    riesa efau. Kultur Forum Dresden, Frank Eckhardt, Geschäftsführer
    RosaLinde e.V. Leipzig
    Universität Leipzig, Centre of Competence for Theatre, Prof. Dr. Günther Heeg, Direktor
    Universität Leipzig, Institut für Theaterwissenschaft, Prof. Dr. Patrick Primavesi, Geschäftsführender Direktor
    Schaubühne Lindenfels gAG, René Reinhardt, Künstlerischer Leiter
    Schaubühne Lindenfels gAG, Dr. Michael Schramm, Verwaltungsdirektor
    Schaubühne Lindenfels gAG, Ilona Schaal, Programmdirektorin
    Schauspiel Leipzig, Enrico Lübbe, Intendant
    Schostakowitsch in Gohrisch e.V., Tobias Niederschlag, Vorsitzender/ Künstlerischer Leiter
    Schweizerhaus Püchau e.V., Martina Jacobi-Wilhelm, leitender Vorstand
    Schweizerhaus Püchau e.V., Leonore Kasper, Künstlerische Leitung
    smac – Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz, Dr. Sabine Wolfram, Direktorin
    smac – Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz, Dr. Jens Beutmann, Referatsleiter Ausstellungen
    Stadt Leipzig, Dr. Skadi Jennicke, Beigeordnete für Kultur der Stadt Leipzig
    Städtische Theater Chemnitz, Dr. Christoph Dittrich, Generalintendant
    Städtische Theater Chemnitz, Hergen Gräper, Verwaltungsdirektor
    Technische Universität Chemnitz, Dr. Gerd Strohmeier, Rektor
    Technische Universität Bergakademie Freiberg, Prof. Dr. Klaus-Dieter Barbknecht, Rektor
    Theater der Jungen Welt, Jürgen Zielinski, Intendant
    Theater der Jungen Welt, Lydia Schubert, Verwaltungsdirektorin
    Theaterhaus Rudi, Katrin Gawel, Leiterin
    Theatrium Leipzig, Almut Haunstein, Geschäftsführerin

Stand: 28.03.2019 | Mehr Informationen auf: www.dievielen.de/erklaerungen/sachsen