Glaubst du?

Der heutige Mensch lebt in einer beschleunigten, reizüberfluteteten Welt, in der es keine zentrale sinnstiftende Instanz mehr gibt. Mindestens bis zur Aufklärung übernahm in Europa die Religion diese Funktion: Sie war Maßstab für Moralvorstellungen und grundsätzliche Lebensfragen. Doch heute hat die Religion – jedenfalls »im Westen« – ihre Rolle als einzige und universelle Orientierungsinstanz verloren. Die Maßstäbe für die Beantwortung von grundsätzlichen Fragen wie »Was ist moralisch, was unmoralisch?«, »Woher kommen wir?«, »Was ist wichtig im Leben?«, »Was ist gerecht?« sind nicht mehr klar. Eine religiös intendierte Beantwortung ist nur eine Möglichkeit von vielen.
Wohin geht die Entwicklung? Welche spirituellen oder nicht-spirituellen Weltdeutungsmuster gibt es zwischen und außer Religiosität und Atheismus? Wie erklären sich die Menschen den Sinn ihrer eigenen Existenz und der Welt, wie sie ist? Diesen Fragen wollen wir in unserem soziokulturellen Beteiligungsprojekt ganz unvoreingenommen nähern. Es geht hierbei nicht um das Aufzeigen von »richtiger« oder »falscher« Sinnstiftung. Thematisiert werden soll das gesamte Spektrum an möglichen Deutungsmustern.

Innerhalb des Reformationsjubiläums setzen sich in der naTo Leipziger/-innen mit den Themen »Glaube, Religion und Gesellschaft« auseinander. Es ist ein Rechercheprojekt geplant, dessen Ergebnisse in drei Teilprojekten künstlerisch umgesetzt werden. Ausgangspunkt wird die Frage sein: Spielt Spiritualität im Leben eines jeden Einzelnen eine Rolle? Die Ergebnisse werden Ende Mai in Leipzig präsentiert.